Fighten bis zum letzten Lungenzug

7 11 2007

Vorab: Ja, ich gehöre selbst zur Randgruppe der Raucher. Ich rauche sogar so fiese Menthol-Stängel, die ja angeblich nur von den Anhängern der gleichgeschlechtlichen Liebe konsumiert werden. Nachdem ich heute Mainbubes Beitrag über den „heiligen Krieg der Raucher“ gelesen habe und mir auch einen Kommentar nicht verkneifen konnte, muss ich doch meiner Verwunderung darüber Ausdruck geben, wie hart doch hier um das Rauchverbot gefighted wird. Klar schmerzt es ein wenig, wenn man liebgewonnene Gewohnheiten ändern muss. Aber da wird gleich über Freiheit im Allgemeinen diskutiert, über den Kampf gegen Freiheitsbeschneidungen, über den Verlust der Grundrechte. Da werden Vergleiche herangezogen, die stärker hinken als Quasimodo und Kapitän Ahab zusammen… Spanien, Italien und UK werden gerne zitiert, Klimavergleiche herangezogen, über Nachbarschaftsterror durch vagabundierende Outdoor-Raucher sinniert. Der Niedergang der Wirtshauskultur wird heraufbeschworen, auf ruinierte Kneipiers verwiesen, mit Vorwürfen zu mangelnder Loyalität gekontert.

Natürlich lässt das Thema auch mich nicht gerade kalt. Aber mehr als die Einschränkung, nervt mich diese herablassende Haltung militanter Nichtraucher die sagen, „dass wir Raucher uns nicht so anstellen sollten“. Ich stelle mich aber so viel und so lange an, wie ich will. Basta. Denn ich bin es schließlich, der seine Gewohnheiten ändern soll. Und das für etwas, was den Nichtrauchern anscheinend gar nicht so wichtig ist. Denn alles quetscht sich nun in die kleinen Raucherzonen. Die designierten Nichtraucherbereiche blieben verwaist, wie ich kürzlich in einer Diskothek beobachten musste. Nichtraucherlokale blieben mangels Interesse (oder Lobby?) der Nichtraucher eine Ausnahme. Also, liebe Nichtraucher, jetzt wo Eure Lieblings-Eckpinte nun endlich rauch- und keimfrei ist, zeigt Eure Dankbarkeit dem Gesetzgeber gegenüber und belohnt den Wirt Eures Vertrauens mit Anwesenheit und Konsum. Sonst muss ich mich ärgern, dass ich mich umstellen soll.

Nachtrag: Es wird immer grotesker besser. Anscheinend sind jetzt schon Diskussionen über den volkswirtschaftlichen Schaden des Rauchverbotes durch Grippewelle dank Vor-der-Tür-in-der-Kälte-rauchen-müssen in Mode. Hatte ich auch noch nicht gehört…

Ach, und noch einer: Laut FAZ.net, hat das Rauchverbot auch einschneidende Auswirkungen auf den Rotlicht-Branche. Jetzt hört’s aber wirklich auf…


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8 Antworten zu “Fighten bis zum letzten Lungenzug”

7 11 2007
stefan (19:27:53) :

Erstens: das Rauchverbot geht ja von den Rauchern aus, ohne Raucher, bzw. mit toleranten bräucht es kein Gesetz

ZWeitens: niemand muss rauchen, atmen muss man schon

Drittens: wenn sich allen ernstes ein Raucher beschwert der seine “Gewohnheiten” ändern muss, beschwer ich mich weil ich wegen des Trunkenheitsverbots am Steuer meine Trinkgewohnheiten ändern muss.

Fakt ist das in Italien z.b. nur 2% Raucherbereiche nachgefragt wurden, selbst die Raucher sitzen lieber bei den NR.

Also, nervt nicht so liebe Raucher, sondern bleibt einfach, wenn es euch so stark stört, zuHause. Ganz einfach.

7 11 2007
Mainbube (21:44:30) :

Ja, mein leicht provokanter Eintrag zur ersten Anti-Raucher-Demo und der kleine Nachschlag haben kräftigere Wellen geschlagen als gedacht. Einige Leute machen nun wirklichen eine Art Klassenkampf daraus. Alleine wegen der Zugriffszahlen freut es mich natürlich, aber auf der anderen Seite bin ich nun auch wirklich überrascht ob der Reaktionen. Ich hatte bisher eher die angenehme Seite gesehen und mich ein wenig über den Umzug der Raucherdemonstranten “lustig machen” wollen, nun wird es aber ideologischer. Ich bin gespannt wie es ausgeht.

8 11 2007
iljuschin (13:48:09) :

Ich kann auch nicht beobachten, dass die Bars und Kneipen nun von den 72,8% NR gestürmt werden, nachdem dort nun nicht mehr geraucht werden darf. Komisch. Bei uns in der Grenzstadt BW/Bayern ist das Verhalten ganz augenscheinlich. Die erste Einraumkneipe hat schon 3 Tage aus dem Programm gestrichen. Große wird es nicht interessieren. Entweder können die einen Nebenraum einrichten (BW) oder halt nicht, dann sind das sowieso halbe Restaurants oder Dissen mit einem komplett anderen Publikum. Kleine Kneipen gehen halt kaputt, außer die NR gehen jetzt endlich mal hübsch zum Saufen!

Eine wirklich freudige Nachricht hat mich gestern erreicht mit der Diskussion um das Akloholverbot in Freiburg/Mannheim und Stuttgart. Das wird dann aber mal toll! Um den Gaststättenverband zu paralysieren wird die Aufhebung der Sperrstunde diskutiert und vielleicht kommt des dann auch.
Im Sommer muss dann Herr Kampf-NR mit seinem Gläsle Woi reingehen und Herr Raucher mit der Apfelschorle raus. Da können sie sich dann gegenseitig von 10 bis 3 Uhr nachts durchs Fenster beäugen und dabei immer fragen: Habe ich diesen Monat auch hübsch brav gearbeitet? Ahhh, ja? Ja, dann mal auf den Feierabend anstoßen und die freie Welt genießen!

8 11 2007
jotha (13:51:38) :

@Stefan: Ich beklage mich ja auch nicht wirklich über mein Schicksal und verbringe ab und zu gerne mal eine Zigarettenlänge an der frischen Luft. Aber Lokale, in denen ich das besser machen kann, darf ich doch gerne bevorzugen. Von mir aus, darfst Du gerne am Steuer weitertrinken, solange Du mich nicht überfährst, wenn ich grad vor der Tür stehe und eine qualme…

8 11 2007
jotha (13:58:22) :

@Mainbube: Tja, die “Sucht” macht eben aus Menschen Zombies. Aber in ein paar Monaten kräht da kein Hahn mehr nach. Trotzdem hätte man das besser regeln können. Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es in einigen Bundesländern extra Regelungen für “Einraumkneipen”.

8 11 2007
bembelkandidat (17:51:47) :

genau, frische luft tut gut, sofern die kneipe nicht an einer hauptstraße liegt ;-D
ich denke aber auch, daß das ein sturm im wasserglas ist und in kürze wird es sein, wie in vielen anderen ländern europas, ab und an wird sich ein raucher noch beschweren, ansonsten mitleidige blicke ernten, wenn er rausgeht (oder sie), zum quarzen…

8 11 2007
jotha (18:32:11) :

Einen wirklich mal positiven Nebeneffekt konnte ich letzten Samstag im Fichtekränzi (übrigens sehr raucherfreundlich mit beheiztem und trockenen Plätzchen vor der Tür) beobachten: Bei jeder Rauchrunde mischte der ganze Tisch sich neu und man kam im Laufe des Abends mal mit allen ins Gespräch.

18 11 2007
Bloggen als Selbstreflexion « Studiengang S2 PHTG Berufspädagogik (18:09:03) :

[...] Aus meiner Erfahrung kann Schreiben tatsächlich differenziertes Denken sein. Ich finde es auch wichig, dass jeder Mensch via Blog ein Sprachrohr hat. Aus meiner Sicht hängt es wahrscheinlich von vielen Faktoren ab, ob Blog-Beiträge zur Entwicklung eines Menschen beitragen: unter anderem von seiner Persönlichkeit, vom Thema, vom Informationsgehalt, ob die Zeit reif ist u.a.m. Auf einen brisanten Beitrag könnten unter Umständen auch heftige und vernichtende Kommentare folgen oder ein Mensch der sich mit seinem Anderssein outet könnte von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Etwas weniger tragisch ist da z.B. ein Blog zum Thema “Rauchen“. [...]

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